„Was ist das für ein Gott, der gleich sauer ist, wenn ich einen Fehler mache?“ Diesen Satz höre ich immer wieder. Und ich kann verstehen, warum das Thema Sünde vielen Menschen schwerfällt. Sünde klingt nach erhobenem Zeigefinger, nach Verboten und Schuldgefühlen. Aber vielleicht verstehen wir Sünde besser, wenn wir nicht zuerst an die großen Skandale denken, sondern an einen kleinen Fehler mit großen Folgen.
Vor ein paar Tagen waren meine Familie und ich mit Freunden an einem See verabredet. Meine Frau kam mit dem Auto, ich mit dem Motorrad. Als ich ankam, waren fast alle Parkplätze belegt. Direkt vor dem Auto meiner Frau war noch Platz – perfekt für mein Motorrad.
Nur: Ich bekam das Lenkradschloss wegen des Winkels nicht zu. Also zog ich den Schlüssel ab und dachte mir nichts dabei. Ein paar Stunden später kam ich zurück. Das Parklicht war an. Eine kleine Drehung zu weit. Eine winzige Unachtsamkeit. Und die Batterie war leer.
Mein Motorrad konnte sich nicht selbst helfen. Ich konnte es auch nicht starten. Also rief ich den ADAC. Während ich fast zwei Stunden wartete, wurde mir plötzlich klar: Das ist ein ziemlich gutes Bild für Sünde.
Das griechische Wort für Sünde, hamartia, bedeutet wörtlich „das Ziel verfehlen“. Der Pfeil fliegt vielleicht nur einen winzigen Winkel am Ziel vorbei – aber je weiter er fliegt, desto größer wird die Entfernung.
Genauso kann es in unserem Leben sein.
Wir treffen eine kleine falsche Entscheidung. Wir sagen ein Wort, das wir besser nicht gesagt hätten. Wir gehen einen Schritt in eine Richtung, von der wir eigentlich wissen, dass sie uns nicht guttut. Und irgendwann merken wir: Ich bin vom Kurs abgekommen.
Sünde ist deshalb nicht einfach: „Gott ist sauer, weil ich einen Fehler gemacht habe.“ Sünde bedeutet: Ich lebe an Gottes gutem Willen vorbei – und das beschädigt meine Beziehung zu Gott, zu anderen und auch zu mir selbst.
Paulus schreibt: „Christus kam ja zu einer Zeit, als wir der Sünde noch hilflos ausgeliefert waren, und er starb für uns, die wir ohne Gott lebten.“ (Römer 5,6).
Hier wird die Sache richtig gut: Mein Motorrad brauchte Energie, die ich nicht hatte. Ich brauchte Hilfe von außen. Und wir brauchen bei unserer Schuld etwas, das wir uns selbst nicht geben können: Vergebung und Versöhnung mit Gott.
Jesus konnte für unsere Schuld eintreten, weil er selbst ohne Sünde war. Er gibt uns am Kreuz, was wir uns selbst niemals verdienen könnten: Vergebung, Freiheit und einen neuen Anfang. Jesus kam nicht, weil wir unsere Probleme selbst lösen können. Er kam, weil wir es nicht können.
Aber jetzt kommt die andere Seite: Gnade bedeutet nicht: „Dann ist ja alles egal.“ Wenn ich mit dem Motorrad wieder dieselbe Parkleuchte anlasse, wird die Batterie wieder leer – auch wenn ich eine ADAC-Karte besitze.
Genauso hat Vergebung nichts damit zu tun, dass falsche Entscheidungen plötzlich keine Konsequenzen mehr haben. Paulus fragt deshalb: „Sollen wir also weiter sündigen, damit die Gnade sich noch mehr auswirkt? Auf keinen Fall!“ (Römer 6,1–2).
Gnade bedeutet nicht, dass Sünde harmlos wird. Gnade bedeutet, dass Sünde nicht mehr das letzte Wort hat.
Herausforderung für heute: Mach heute einen geistlichen TÜV. Frag dich ehrlich:
Wo bin ich gerade vom Kurs abgekommen?
Welche „kleine Stellschraube“ stimmt in meinem Leben nicht mehr?
Gibt es etwas, das ich vor Gott bringen muss?
Und dann mach es wie ich mit dem ADAC: Warte nicht. Ruf an. Ruf Jesus! Bring ihm deine Schuld, deine falschen Entscheidungen und deine Umwege. Nicht, weil er dich verurteilen will, sondern weil er dich zurück auf den richtigen Weg führen möchte. „Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht und vergibt uns.“ (1. Johannes 1,9)
Vielleicht ist heute genau der richtige Tag für einen Tausch am Kreuz:
Du bringst Jesus deine Schuld – und er schenkt dir seine Vergebung.
Du bringst ihm deinen Umweg – und er zeigt dir einen neuen Weg.
Du bringst ihm deine Last – und er schenkt dir Freiheit.
Also: Nicht lange warten. Kurs prüfen. Jesus rufen. Und neu losfahren.
Sei gesegnet!
„Man kann nicht zurückgehen und den Anfang ändern. Aber man kann neu anfangen und damit das Ende verändern.“ – C. S. Lewis


